Hi, ich bin Ariane Saltoris und hätte gerne mehr über meine Großmutter erfahren.
Als meine Oma - mütterlicherseits - starb, war ich 18. Ich kannte sie als die Carmem, die immer sang, die Wäsche für Kunden wusch, die einen unerschütterlichen Glauben hatte, die der Klebstoff war, der die Familie zusammenhielt. Über die Frau dahinter, ihre Gedanken, Träume und Traumata wusste ich nichts.
Heute, als erwachsene Frau und Mutter, fehlt mir ihre Geschichte, ihre Essenz jenseits der Matriarchin, die jeder liebte. Sie war spannend und weise, sie hatte ein hartes Leben gehabt und trug dennoch immer ein Lächeln auf dem Gesicht, und ich durfte sie nicht kennenlernen. Nicht wirklich.
Hätte bloß jemand über sie geschrieben.
In meiner Karriere als Ghostwriterin begegne ich vielen Menschen, die sehr gerne ein Buch schreiben möchten, über sich und ihre Erinnerungen, doch es scheitert an vielerlei Gründen. Der häufigste von allen ist, dass sie nicht wissen, wie man ein Buch schreibt. Der andere ist weil sie glauben, sie wären nicht interessant genug.
Meine Erfahrung ist, dass jeder Mensch interessant genug ist, jeder ist ein eigenes Universum voller Schmerz, Schönheit und Verlangen; jeder hat etwas beizubringen, ausnahmslos. Also entschied ich mich dafür, ihre Hand zu sein, die Gedanken zu Papier bringt, so wie sie es nicht können.
Wie alle wollen wir aus unseren Gaben etwas Sinnvolles machen, etwas beisteuern, was bleibt, was einen Unterschied macht: Schreiben ist mein Beitrag.
Nun erzähle ich im Wunschgenre die Erinnerungen jener, die so viel zu sagen haben, aber kein Ohr, das zuhört.
Ich höre zu, ich verstehe. Ich setze um.
Mit Herz.
Und das mache ich gern.