Redemptio (Novelle)
Ich bete Ave Marias. Nur Ave Marias.
Mutter ist heilig.
Ave Marias sind der Geruch heißer Suppe, der feuchte Kuss auf die Stirn, die vollen Brüste, die Tränen auffangen. Vaterunser nicht. Diese sind die Riemenspuren auf meinen Armen, Beinen und meinem Rücken. Rubinrot waren sie einmal, die Narben. Rubinrot und schleimig. Früher haben sie gebrannt. Heute sind sie wurmig und taub, aber sie hören nicht auf zu schmerzen. Keine Sekunde hören sie auf zu schmerzen. Man sagt, es gibt keinen Schmerz, der ewig währt. Aber ich weiß, dass das nicht stimmt.
Es gibt Schmerzen, die in die Seele eindringen und dort bleiben. Die das Leben sicher überdauern. (...)